Tiergespräche

Tiergespräch Ferrox

Eigentlich war ich für ein Gespräch mit Ferrox da.

Doch gleich zu Beginn zeigte sich eine ganz andere Energie.

Ich nahm eine Hündin wahr, die sehr müde wirkte. Sie zeigte mir ihren Lebensabend und wie wenig Kraft sie noch hatte. Ich sah, wie sie sich in ihrem Körbchen immer wieder drehte, bis sie schließlich einen Platz fand und sich ablegte.

Dann zeigte sie mir, wie sie in den Armen von Frauchen einschlief.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wer diese Hündin war.

Erst im anschließenden Telefonat erzählte mir Frauchen, dass es sich um ihre verstorbene Hündin handelte. Sie war 17 Jahre alt geworden und hatte am Ende ihres Lebens fast nur noch geschlafen.

Danach begann das eigentliche Gespräch mit Ferrox.

Er zeigte sich freundlich, noch jung und gleichzeitig etwas unsicher. Schnell wurde deutlich, dass die Bindung zu Frauchen für ihn noch wachsen darf.

Das Vertrauen ist noch nicht vollständig da. Manchmal kommt bei ihm sogar die Unsicherheit auf, ob er wirklich gewollt ist.

Auch den Mann an Frauchens Seite zeigte er mir. Diese Beziehung fühlt sich für Ferrox anders an. Entspannter und fast ein wenig wie mit einem Spielkameraden. Gleichzeitig respektiert er ihn. Im Telefonat stellte sich heraus, dass Ferrox mir Frauchens Ehemann gezeigt hatte.

Auch sein Zuhause beschrieb er.

Das obere Stockwerk verbindet er mit Schlafen und Ruhe, während unten deutlich mehr los ist. Außerdem zeigte er mir, dass er gerne erhöht schläft. Frauchen konnte auch das einordnen: Ferrox schläft sowohl auf der Couch als auch im Bett.

Beim Futter hatte er ebenfalls eine klare Meinung.

Er möchte gerne etwas „Deftiges“ und zeigte mir Rind und Nassfutter.

Frauchen erzählte daraufhin, dass sie erst etwa eine Woche zuvor begonnen hatte, ihm genau dieses Nassfutter zu geben. Eigentlich war sie nicht überzeugt davon und hatte bereits überlegt, es nicht noch einmal zu bestellen.

Auch beim Thema Freilauf schätzte Ferrox seine aktuelle Situation ziemlich realistisch ein.

An der Schleppleine würde er gerne mehr unterwegs sein. Komplett ohne Leine möchte er dagegen noch nicht laufen. Er erklärte, dass er seinen Fokus noch nicht zuverlässig halten kann und deshalb nicht versprechen könnte, auf ein Kommando tatsächlich zu reagieren.

Frauchen bestätigte, dass seine Aufmerksamkeitsspanne momentan noch gering ist.

Gleichzeitig möchte Ferrox lernen und beschäftigt werden.

Er zeigte mir verschiedene Übungen: Slalom durch Stangen laufen, sich im Kreis drehen, eine Rolle machen und weitere kleine Kunststücke.

Im Gespräch mit Frauchen wurde klar, was er damit meinte.

Die beiden waren vor Kurzem auf einem Trainingsplatz. Dort hatten sie bisher vor allem daran gearbeitet, dass Ferrox in Anwesenheit anderer Hunde ruhig liegen bleibt. Die anderen Möglichkeiten dort hat er aber offenbar sehr genau wahrgenommen – und würde gerne mehr davon ausprobieren.

Ein besonders wichtiges Thema war die Bindung zwischen ihm und Frauchen.

Auf die Frage, was ihm helfen würde, diese weiter aufzubauen, zeigte er mir ihre Hand.

Sie soll die Hand einfach ruhig neben ihm liegen lassen, ohne ihn zu berühren.

Nur da sein.

Frauchen erzählte daraufhin, dass sie genau das bereits gemacht hatten, als Ferrox neu bei ihnen eingezogen war.

Allerdings gab es damals Situationen, in denen sie sein Nein nicht sofort verstanden hatte. Genau deshalb brachte Ferrox dieses Bild noch einmal ein. Für ihn gehört zur wachsenden Verbindung auch, dass seine Grenzen wahrgenommen und respektiert werden.

Zum Schluss hatte Frauchen noch eine ganz konkrete Frage:

Warum läuft Ferrox auf drei Beinen die Treppe hinunter?

Seine Erklärung war ebenso simpel wie unerwartet.

Er hat einen „Mentor“.

Ferrox erklärte mir, dass er dieses Verhalten beobachtet und daraus geschlossen hat, dass man eine Treppe eben so hinunterläuft.

Und tatsächlich lebt noch eine weitere Hündin mit ihm im Haus.

Sie läuft die Treppe genau auf diese Weise hinunter.

Ferrox hat es sich schlicht von ihr abgeschaut.

Dieses Gespräch hat sehr schön gezeigt, wie individuell Tiere Beziehungen wahrnehmen und wie genau sie gleichzeitig ihr Umfeld beobachten.

Ferrox weiß ziemlich gut, wo er gerade steht. Er zeigt, was ihm noch schwerfällt, was er lernen möchte und was er braucht, damit Vertrauen entstehen kann.

Und manchmal lernt man offenbar auch einfach vom vierbeinigen „Mentor“, wie eine Treppe ordnungsgemäß zu bewältigen ist.

Danke, Ferrox, für dein Vertrauen und dieses besondere Gespräch.